
Man kann gut beschlagen in etwas sein, jemanden an die Kandare nehmen, ihn auf Trab bringen oder die Zügel lockern. Und was man bei einem geschenkten Gaul nicht tut, weiß wohl jedes Kind. Viele Begriffe aus der Reitersprache benutzen wir ganz unbewusst im Alltag. Das zeugt davon, welch lange Tradition und Bedeutung die Beziehung zwischen Mensch und Pferd hat.
Das Urpferd unserer Hemisphäre, das Eohippus, lebte bereits vor 50 Millionen Jahren. Es war nicht größer als ein Schäferhund, hatte einen sehr schmalen Kopf und besaß noch Zehen. In der Grube Messel kann man ein versteinertes Exemplar dieses Vorfahren der heutigen Pferde bewundern. Über die Jahrmillionen passten sich die Tiere dann mehr und mehr ihrer Umgebung an und entwickelten sich zu jenen Vierbeinern, wie wir sie heute kennen, mit Hufen und breitem Pferdegebiss.
Vor allem als Lasttiere leisteten Pferde dem Menschen schon sehr früh gute Dienste. Zahlreiche Wildrassen wurden durch Züchtung spezialisiert. Für das Reiten nutzte man zunächst die natürlichen Gangarten des Pferdes, dazu zählen Schritt, Trab und Galopp und auch bestimmte Seitwärtsschritte, die Seitengänge genannt werden. Aus diesen natürlichen Bewegungen entwickelten sich bestimmte Schulen der Reitkunst.
Reiter haben also eine eigene Sprache und viel Fachwissen, das ihnen unter anderem hilft, die Beziehung zum Pferd zu pflegen. Ein kluger Reiter weiß, dass es auf die unbedingte Kooperationsbereitschaft des Pferd ankommt. Wenn etwas nicht klappt, muss meist der Reiter etwas ändern, nicht das Pferd. Die klassische Reitkunst hat daher bewährte Methoden in einem Kanon erfasst und das Reiten und die Dressur zum Kunsthandwerk erhoben.
Und was von Reitern vielleicht weniger bekannt ist: Sie wissen bestimmt ebenso viele Geschichten zu erzählen wie alte Seebären, von mutigen Ponys und klugen Pensionspferden über wundersame Dressurleistungen bis zu Helios mit seinen Sonnenrossen und den Leibpferden des "Alten Fritz".
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